Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.440/2016
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
8C_440/2016

Urteil vom 12. August 2016

I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Maillard, Präsident,
Bundesrichterin Heine, Bundesrichter Wirthlin,
Gerichtsschreiber Grunder.

Verfahrensbeteiligte
 A.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Barbara Wyler,
Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons Thurgau, Rechts- und Einsprachedienst, St. Gallerstrasse
11, 8500 Frauenfeld,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung (Invalidenrente),

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom
4. Mai 2016.

Sachverhalt:

A. 
Mit Verfügung vom 27. August 2008 hielt die IV-Stelle des Kantons Thurgau fest,
dass die 1978 geborene A.________ keinen Anspruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung hatte. Auf das Leistungsbegehren vom 6. Juli 2009 trat
die Verwaltung nicht ein (Verfügung vom 25. November 2009).
Am 8. April 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an.
Laut Bericht des behandelnden Arztes B.________, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, und des Dr. phil. klin. psych. C.________, Klinischer
Psychologe und Supervisor, vom 18. März 2014 hatte sich der psychiatrische
Gesundheitszustand seit dem Jahre 2008 verschlechtert und die Versicherte war
vollständig arbeitsunfähig. Die IV-Stelle holte das bidisziplinäre Gutachten
der Dres. med. D.________, Rheumatologie FMH, und E.________, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Arbeitsmedizin Zentrum F.________, vom 7. Mai 2015 ein.
Danach war die Explorandin wegen einer chronifizierten leicht- bis
mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F33.10) in einer körperlich
leichten Erwerbstätigkeit im Umfang von 30 % beeinträchtigt; den Haushalt
vermochte sie hingegen uneingeschränkt zu führen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren mangels eines
leistungsbegründenden Invaliditätsgrades ab (Verfügung vom 13. Januar 2016).

B. 
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
Thurgau ab (Entscheid vom 4. Mai 2016).

C. 
Mit Beschwerde lässt A.________ beantragen, unter Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids sei ihr ab 1. Oktober 2014 eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter habe die IV-Stelle erneut eine
rheumatologisch-psychiatrische sowie eine neuropsychologisch-neurologische
Begutachtung zu veranlassen und sie habe zur Evaluation des Invaliditätsgrades
eine Haushaltsabklärung durchzuführen. Ferner wird um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege für den bundesgerichtlichen Prozess ersucht.
Das Bundesgericht führt keinen Schriftenwechsel durch.

Erwägungen:

1.

1.1. Mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann u.a. die
Verletzung von Bundesrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a BGG). Die Feststellung
des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist
oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt
zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann
die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz von Amtes wegen berichtigen oder
ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung
im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG).

1.2. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1
BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Immerhin prüft das Bundesgericht,
unter Berücksichtigung der allgemeinen Begründungspflicht der Beschwerde (Art.
42 Abs. 1 und 2 BGG), grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen, sofern die
rechtlichen Mängel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 133 II 249 E. 1.4.1
S. 254).

2. 
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Invaliditätsgrad seit der
Ablehnungsverfügung vom 27. August 2008 bis zum Erlass der Verfügung vom 13.
Januar 2016 in revisionsrechtlich erheblicher Weise verändert hatte (Art. 17
ATSG). Dabei ist nach der das Bundesgericht bindenden Feststellung der
Vorinstanz davon auszugehen, dass die Versicherte auch ohne gesundheitliche
Beeinträchtigungen keiner erwerblichen Beschäftigung nachgehen, sondern
weiterhin im Aufgabenbereich (Haushalt) tätig sein würde.

3.

3.1.

3.1.1. Das kantonale Gericht hat erkannt, dass zur Beurteilung des
Gesundheitszustands und der Arbeits (un) fähigkeit auf das in allen Teilen
beweiskräftige Gutachten der Dres. med. D.________ und E.________ vom 7. Mai
2015 abzustellen war. Es hat sich einlässlich mit den im bundesgerichtlichen
Verfahren wiederholten, die Beweiskraft der Expertise in Frage stellenden
Einwänden auseinandergesetzt. Der Umstand, dass Dr. med. D.________ die
Versicherte am 6. September 2011 konsiliarisch wegen der Schmerzen im Bereich
des rechten Mittelfusses untersucht hatte, begründete keinen Ausstands- oder
Ablehnungsgrund, als medizinischer Gutachter tätig zu sein. Weiter hat die
Vorinstanz erkannt, dass der behandelnde Psychiater B.________ und Dr. phil.
klin. psych. C.________ zur Frage, inwieweit die Versicherte bei der Führung
des Haushalts arbeitsunfähig war, deren Angaben übernahmen, weshalb mit ihren
Ausführungen schon aus diesem Grund keine Zweifel am Gutachten der Dres. med.
D.________ und E.________ zu begründen waren. Sodann hat das kantonale Gericht
festgestellt, dass der psychiatrische Sachverständige in Übereinstimmung mit
den behandelnden Ärzten und Fachpersonen keine Anhaltspunkte fand, aufgrund
welcher eine zusätzliche neurologische und neuropsychologische Abklärung nötig
gewesen war. Nicht einzusehen war, dass die Symptomatik der psychiatrisch
festgestellten depressiven Störung stark schwankend auftrat und daher von den
medizinischen Sachverständigen lediglich im Sinne einer Momentaufnahme habe
erfasst werden können, zumal die Versicherte selber von einem chronifizierten
und damit verfestigten Zustand ausging. Dass sie trotz psychiatrischer
Empfehlung eine Therapie mit antidepressiv wirkenden Analgetika ablehnte, war
auch mit Blick auf den (inaktiven) Morbus Crohn mit den damit verbundenen
Ängsten wenig nachvollziehbar. Insgesamt war die Versicherte ausgehend von der
Einschätzung der Gutachter Dres. med. D.________ und E.________ ab 1. Oktober
2014 im Aufgabenbereich (Haushalt) als vollständig arbeitsfähig zu betrachten.

3.1.2. Angesichts des von Dr. med. D.________ erwähnten generalisierten
Weichteilrheumatismus (Fibromyalgie) hat das kantonale Gericht zusätzlich
erkannt, dass das bidisziplinäre Gutachten auch dann beweistauglich wäre, wenn
die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 zum Tragen käme. Zunächst war darauf
hinzuweisen, dass die leicht- bis mittelgradige depressive Episode therapierbar
war und daher nicht von einer schweren Ausprägung dieser Erkrankung gesprochen
werden konnte. Von einer lege artis und mit optimaler Kooperation der
Versicherten durchgeführten antidepressiven Therapie konnte nicht gesprochen
werden. Sodann war davon auszugehen, dass die Versicherte über Ressourcen (gut
laufende Ehe; gute Beziehungen zu Verwandten; regelmässige Flüge in die Türkei;
Belegung eines Deutschkurses) verfügte, die sich potentiell günstig auf ihren
Gesundheitszustand auswirkten. Die bei der von Dr. med. D.________ veranlassten
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) festgestellte erhebliche
Symptomausweitung und Selbstlimitierung waren als Ausschlussgründe zu
qualifizieren, welche die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verboten.
Letzteres galt ebenso für die im Rahmen der ärztlichen Begutachtung erhobenen
psychosozialen Belastungsfaktoren (Migrationshintergrund; fehlende Integration;
problematische finanzielle Verhältnisse).

3.2. Die Beschwerdeführerin wiederholt im Wesentlichen die vom kantonalen
Gericht mit zutreffender Begründung entkräfteten Einwendungen gegen die
Beweiskraft des Gutachtens der Dres. med. D.________ und E.________ vom 7. Mai
2015, weshalb auf die nicht zu beanstandenden Erwägungen im angefochtenen
Entscheid verwiesen wird. Anzufügen ist, dass sich das dem psychiatrischen
Experten rechtsprechungsgemäss einzuräumende Ermessen bei der Beurteilung des
Schweregrades der zu diagnostizierenden Erkrankung und der Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit entgegen dem pauschalen Einwand der Beschwerdeführerin anhand
der in BGE 141 V 281 formulierten Standardindikatoren überprüfen lässt. Daher
ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz die Beweise willkürlich im
Sinne von Art. 9 BV gewürdigt haben soll. Weiter ist die Beschwerdeführerin
darauf hinzuweisen, dass das kantonale Gericht nicht schon deshalb den Anspruch
auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verletzt hat, wenn es nicht jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt hat (vgl. BGE 142 II 44 E. 9.2 S.
65; 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188, 229 E. 5.2 S. 236). Sie benennt denn auch
letztinstanzlich kein medizinisches oder anderes einschlägiges Aktenstück,
wonach sie an einer Demenz- oder Alzheimererkrankung leiden könnte, die
zusätzliche neurologische oder neuropsychologische Abklärungen erforderten.

4. 
Die offensichtlich unbegründete Beschwerde ist mit summarischer Begründung und
unter Verweis auf den angefochtenen Entscheid abzuweisen (Art. 109 Abs. 2 lit.
a in Verbindung mit Abs. 3 BGG).

5. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren
wird infolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde abgewiesen (Art. 64 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und
dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 12. August 2016

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Maillard

Der Gerichtsschreiber: Grunder

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