Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Sozialrechtliche Abteilungen U 343/2006
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U 343/06

Urteil vom 19. November 2007

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger,
Gerichtsschreiber Flückiger.

W. ________, 1962, Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat Markus Schmid,
Lange Gasse 90, 4052 Basel,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1,
6004 Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden
vom 2. Juni 2006.

Sachverhalt:

A.
Der 1962 geborene W.________ war seit 2. Mai 2000 als Handlanger bei der
Firma Q.________ angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs-
und Nichtberufsunfällen versichert. Am 27. August 2000 war er als
Motorradfahrer auf einem Rundkurs im Elsass unterwegs, geriet in einer
Rechtskurve aus der Fahrbahn und wurde über den Lenker hinweg geschleudert,
wobei er mit dem Helm/ Kopf und der rechten Schulter auf dem Boden aufschlug.
Der am Folgetag konsultierte Dr. med. P.________, Allgemeine Medizin FMH,
stellte im Arztzeugnis UVG vom 12. September 2000 die Diagnosen einer
Kontusion der rechten Schulter sowie einer Kontusion/Distorsion der unteren
Halswirbelsäule (HWS) rechts. Die SUVA holte Verlaufsberichte von Dr. med.
P.________ ein und liess den Versicherten mehrmals kreisärztlich untersuchen.
Zudem veranlasste sie radiologische Untersuchungen, eine spezialärztliche
Abklärung durch den Neurologen Dr. med. I.________ (Bericht vom 7. Dezember
2000), sowie einen stationären Aufenthalt in der Höhenklinik X.________ vom
1. bis 23. März 2001. Am 18. September 2001 erstellte Dr. phil. K.________,
Klinik V.________, ebenfalls im Auftrag der SUVA einen neuropsychologischen
Untersuchungsbericht. In der Folge wurden Berichte des Dr. med. M.________,
Otorhinolaryngologie FMH, vom 10. Januar 2002, des Instituts Dr. G.________
vom 11. Januar 2002, der Klinik Y.________ vom 27. Mai 2002, des Dr. med.
D.________, Chefarzt Neurologie an der Klinik Z.________, vom 22. Oktober,
6. November und 16. Dezember 2002 sowie ein Gutachten von Dr. med.
S.________, Neurologie FMH, vom 4. September 2002 eingeholt. Die Allgemeine
Versicherungs AG T.________/DE liess ein hals-nasen-ohrenärztliches Gutachten
der Klinik AA.________/DE vom 22. August 2003, ein neuropsychologisches
Zusatzgutachten des Klinikums BB.________/DE, Neurologische Klinik, vom
23. August 2003 sowie ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten von Dr. med.
U.________/DE, vom 7. Oktober 2003 erstellen. Diese Unterlagen wurden der
SUVA zur Kenntnis gebracht.
Nach einer erneuten Untersuchung durch den Kreisarzt Dr. med. R.________ vom
23. Januar 2004 stellte die SUVA mit Verfügung vom 26. Januar 2004 die
Heilbehandlung und die Taggelder auf Ende Februar 2004 ein. Bereits am
21. November 2003 hatte es die Anstalt abgelehnt, den Taggeldansatz, wie es
der Versicherte verlangt hatte, mit Blick auf eine im Gesundheitsfall
mutmasslich eingetretene Lohnerhöhung zu korrigieren. Der Versicherte liess
Einsprache erheben und ein im Auftrag der Rechtsschutzversicherung
CC.________ AG erstattetes Gutachten des Neurologen Dr. med. N.________ vom
6. Januar 2005 einreichen. Diesem wurden ein neuropsychologisches Gutachten
von lic. phil. E.________ vom 18. September 2004 sowie Berichte der Firma
DD.________ über seitliche Funktionsaufnahmen der HWS und ein MRT der HWS vom
27. Mai 2004 beigelegt. Mit Entscheid vom 27. Januar 2005 wies die SUVA die
Einsprachen ab und bestätigte ihre Verfügungen vom 21. November 2003 und
26. Januar 2004.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden nach Durchführung eines doppelten Schriftenwechsels ab (Entscheid
vom 2. Juni 2006). Im Verlauf des Rechtsmittelverfahrens reichte der
Versicherte ein weiteres im Auftrag der Allgemeinen Versicherungs AG
T.________/DE erstelltes Gutachten des Orthopädischen Forschungsinstituts
EE.________/DE, Prof. Dr. med. C.________, vom 23. Dezember 2003 sowie ein
der IV-Stelle erstattetes Gutachten des Ärztlichen Begutachtungsinstituts
FF.________ vom 20. Januar 2006 ein. Die SUVA legte Stellungnahmen des
ORL-Spezialisten Dr. med. L.________, SUVA-Abteilung Arbeitsmedizin, vom
14. Juni 2005 und der Neurologin Dr. med. A.________, SUVA-Abteilung
Versicherungsmedizin, vom 17. Oktober und 22. Dezember 2005 auf.

C.
W.________ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde führen mit dem Rechtsbegehren,
es sei die SUVA zu verpflichten, ihm über den 29. Februar 2004 hinaus die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Die SUVA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das
Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgesetz über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110)
ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Da der
angefochtene Entscheid vorher ergangen ist, richtet sich das Verfahren noch
nach dem Bundesgesetz über die Organisation der Bundesrechtspflege vom
16. Dezember 1943, OG (Art. 132 Abs. 1 BGG; BGE 132 V 393 E. 1.2 S. 395).

2.
Das kantonale Gericht hat (teilweise unter Verweisung auf den
Einspracheentscheid vom 27. Januar 2005) die Bestimmungen und Grundsätze über
den für die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers (Art. 6
Abs. 1 UVG) vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen
Unfallereignis und anspruchsbegründendem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 177
E. 3,1 S. 181; vgl. auch BGE 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406, 119 V 335 E. 1
S. 337, 118 V 286 E. 1b S. 289, je mit Hinweisen) sowie den im
Sozialversicherungsrecht regelmässig erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. auch BGE 126 V 353 E. 5b S. 360,
125 V 193 E. 2 S. 195, je mit Hinweisen, sowie BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3
S. 324 f.) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Richtig sind auch die
vorinstanzlichen Erwägungen zur überdies erforderlichen Adäquanz des
Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (vgl. auch BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181,
402 E. 2.2 S. 405, 125 V 456 E. 5a S. 461 f. mit Hinweisen) sowie im
Besonderen bei psychischen Fehlentwicklungen (BGE 115 V 133) oder einem
HWS-Schleudertrauma (BGE 117 V 359) respektive einem diesem adäquanzrechtlich
gleichgestellten Verletzungsmechanismus (BGE 117 V 369; SVR 1995 UV Nr. 23
S. 67 E. 2, U 183/93).

3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die SUVA für das Unfallereignis vom 27. August
2000 über den 29. Februar 2004 hinaus Leistungen zu erbringen hat. Nicht mehr
beanstandet wird dagegen die Bemessung der Taggelder, welche Gegenstand der
Verfügung vom 21. November 2003 und des diesbezüglichen
Rechtsmittelverfahrens gebildet hatte.

3.1 Die Vorinstanz erwog, für die Bejahung der Leistungspflicht des
Versicherers während des zur Diskussion stehenden Zeitraums sei erforderlich,
dass die vorhandenen Beschwerden sowohl in einem natürlichen als auch in
einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis stünden. Die
Adäquanzprüfung habe nach der Praxis zu den "psychischen Unfallfolgen" zu
erfolgen. Der Unfall sei als mittelschwer zu qualifizieren und die
dementsprechend massgebenden Kriterien lägen nicht in gehäufter oder
auffallender Weise vor. Diese Feststellung führe zur Verneinung der Adäquanz.
Damit könne offen bleiben, ob die natürliche Kausalität gegeben sei.

3.2 Der Beschwerdeführer lässt einwenden, es gehe nicht an, dass die
Vorinstanz die medizinischen Fakten einfach ausblende und ohne
Auseinandersetzung mit der entsprechenden Aktenlage eine rechtliche
Beurteilung des Kausalzusammenhangs vornehme. Es sei denn auch nicht klar,
auf welche Unterlagen sich das kantonale Gericht bei seiner Beurteilung der
Adäquanz stütze. Insbesondere habe die Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass
mit Sicherheit von Unfallfolgen auszugehen sei, welche einem klar organisch
objektivierbaren Substrat zugeordnet werden könnten.

4.
4.1 Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass ein Verzicht auf nähere
Abklärungen zur natürlichen Kausalität mit der Begründung, es fehle
jedenfalls an einem adäquaten Kausalzusammenhang (zu diesem Vorgehen
allgemein SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c S. 68, U 183/93), nur dann zulässig
ist, wenn die zur Diskussion stehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen
organisch nicht (hinreichend) nachgewiesen werden können. Gehen dagegen die
für den Anspruch auf Versicherungsleistungen relevanten Symptome und die
daraus resultierende Behandlungsbedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit auf
Schädigungen zurück, welche sich mit bildgebenden Verfahren objektivieren
lassen, kommt der adäquaten Kausalität praktisch keine zusätzliche Bedeutung
zu (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Die Vorinstanz hätte daher in der Tat
zunächst prüfen müssen, ob beim Beschwerdeführer eine organisch hinreichend
nachweisbare Symptomatik vorliegt, welche mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem
Unfallereignis steht.

4.2
4.2.1 In mehreren ärztlichen Stellungnahmen wird mehr oder weniger deutlich
von einer nachweisbaren Verletzung der HWS gesprochen. So erklärte der
Neurologe Dr. med. S.________ in seinem Gutachten vom 4. September 2002,
durch die bildgebende Funktionsdiagnostik habe sich eine eingeschränkte
Rotation im Segment C2/C3 nach rechts gefunden, wobei diese Dysfunktion der
HWS für die Rotation traumatischer Genese sei. Prof. Dr. med. D.________
erwähnt in seinem Bericht vom 22. Oktober 2002 einen Status nach direkter
Schädel- und indirekter HWS-Verletzung "mit Verdacht auf ursächliche
Pathologie im Segment C2/C3". Dr. med. N.________ gelangt im Gutachten vom
6. Januar 2005 zum Ergebnis, die von ihm in Auftrag gegebenen
Röntgenuntersuchungen ergäben eindeutige Befunde, welche für eine Verletzung
der HWS sprächen. So sei im Segment C1/C2 praktisch keine Inklination und
Reklination zu beobachten. Ferner bestehe eine eingeschränkte Kopfrotation
nach beiden Seiten durch eine wahrscheinlich partielle Blockierung der
atlanto-axialen Rotation. Gemäss dem im Gutachten des Ärztlichen
Begutachtungsinstituts FF.________ vom 20. Januar 2006 enthaltenen Bericht
über die neurologische Untersuchung vom 6. Dezember 2005 durch Dr. med.
B.________ ist aufgrund der Aktenlage eine Funktionsstörung der oberen HWS
auch radiologisch dokumentiert.

4.2.2 Die Akten enthalten andererseits auch verschiedene Stellungnahmen, in
welchen eine organisch nachweisbare Schädigung verneint wird. So führt Dr.
med. U.________/DE in seinem neurologisch-psychiatrischen Gutachten vom
7. Oktober 2003 sinngemäss aus, die bildgebenden Untersuchungen hätten keine
organischen Läsionen der HWS (sondern nur eine Diskushernie im Bereich des
Segments Th 1) zutage gefördert. Dr. med. C.________ äussert sich ebenfalls
in diesem Sinn; allerdings beschränkt sich seine Untersuchung auf den
zervikothorakalen Bereich. Die SUVA-Ärztin Dr. med. A.________ gelangt in
ihrer ausführlichen neurologischen Beurteilung vom 17. Oktober 2005, welche
eine unter Mitwirkung des Orthopäden Dr. med. O.________ vorgenommene
Befundung sämtlicher Röntgenbilder enthält, zum Ergebnis, die bildgebenden
Untersuchungen hätten lediglich eine strukturelle Veränderung in der oberen
Brustwirbelsäule gezeigt, die nur möglicherweise im Zusammenhang mit dem
Trauma stehe. Weitere strukturelle Veränderungen seien nicht nachgewiesen
worden und ergäben sich insbesondere auch nicht aus den durch Dr. med.
N.________ veranlassten radiologischen Untersuchungen.

4.2.3 Die Beurteilung von Dr. med. A.________ ist in diesem Punkt
nachvollziehbar und überzeugend. Insbesondere legt die Ärztin mit
ausführlicher und in allen Teilen einleuchtender Begründung dar, dass und
warum die Aufnahmen der Firma DD.________ vom 27. Mai 2004 nicht geeignet
sind, eine strukturelle Veränderung im Bereich der HWS nachzuweisen.
Dementsprechend kann nicht von organisch nachweisbaren Funktionsausfällen im
Sinne der Gerichtspraxis gesprochen werden.

4.3 Da keine organisch (hinreichend) nachweisbare, durch den Unfall vom
27. August 2000 verursachte Schädigung der HWS vorliegt, kommt neben dem
Erfordernis der natürlichen Kausalität auch demjenigen des adäquaten
Kausalzusammenhangs erhebliche Bedeutung zu. Falls sich dieser nach Lage der
Akten verneinen lässt, kann, wie es das kantonale Gericht getan hat, auf
weitere Abklärungen zur natürlichen Kausalität verzichtet werden. Für die Art
der Adäquanzbeurteilung ist in dieser Konstellation entscheidend, ob die
versicherte Person ein Schleudertrauma der HWS (bzw. eine adäquanzrechtlich
gleichgestellte Verletzung) erlitten hat oder nicht (vgl. BGE 127 V 102
E. 5b/bb S. 103). Die Vorinstanz hat sich zu dieser Frage und der daraus
abzuleitenden Methode der Adäquanzprüfung nicht explizit geäussert. Nach Lage
der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer auf einem Motorrad-Rundkurs
ein Fahrtraining absolvierte. Er war mit rund 100 km/h, nach dem Bremsen noch
mit rund 80 km/h unterwegs, geriet in einer Kurve über die Fahrbahn hinaus in
das angrenzende Kiesland, wurde über den Lenker des Motorrads hinweg
geschleudert und prallte mit dem durch einen Helm geschützten Kopf sowie der
rechten Schulter auf dem Boden auf. Dieser Mechanismus ist grundsätzlich
geeignet, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung hervorzurufen. Dr.
med. P.________ diagnostizierte denn auch in seinem Bericht vom 12. September
2000 eine Distorsion der HWS. Nach dem Unfall traten "innert Stunden" Kopf-
und Nackenbeschwerden auf. Im weiteren Verlauf berichtete der Versicherte
über zusätzliche Elemente des so genannten typischen Beschwerdebildes (dazu
BGE 119 V 335 E. 1 S. 338 oben), insbesondere Schwindel sowie Seh-,
Konzentrations- und Schlafstörungen. Anhaltspunkte für eine erhebliche
psychisch begründete Symptomatik bestehen dagegen nicht; ein entsprechender
Verdacht wurde erst im Bericht des Kreisarztes Dr. med. R.________ vom
14. März 2003, also mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Unfall, explizit
geäussert (die anfänglichen Hinweise des Dr. med. P.________ auf mögliche
Aggravation können nicht in diesem Sinn gedeutet werden). Das
neurologisch-psychiatrische Gutachten vom 7. Oktober 2003 ergab keine
Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung. Die im Gutachten des Ärztlichen
Begutachtungsinstituts FF.________ vom 20. Januar 2006 diagnostizierte
leichte depressive Episode (ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) bildet
ebenfalls keine Grundlage für die Annahme einer während des Zeitraums seit
dem Unfall dominierenden psychischen Komponente. Unter diesen Umständen ist
von einem Verletzungsmechanismus und anschliessenden Symptomen auszugehen,
welche zu einer Adäquanzprüfung nach Massgabe der mit BGE 117 V 359
begründeten Rechtsprechung führen. Den in der Vernehmlassung der SUVA
vertretenen Standpunkt, die Annahme einer dem Schleudertrauma äquivalenten
Verletzung setze voraus, dass das gesamte typische Beschwerdebild innerhalb
von höchstens 72 Stunden nach dem Unfall aufgetreten ist, hat die
Rechtsprechung inzwischen verworfen (SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 E. 5,
U 215/05).

4.4 Der Unfall vom 27. August 2000 ist im Rahmen der für die Belange der
Adäquanzprüfung vorzunehmenden Einteilung den mittelschweren Ereignissen
zuzuordnen. Die Beurteilung hängt somit davon ab, inwieweit die bei dieser
Kategorie massgebenden Kriterien (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) erfüllt sind.

4.4.1 Der fragliche Unfall ereignete sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen noch ist er als besonders eindrücklich zu bezeichnen. Das
Risiko eines Sturzes ist dem Befahren eines derartigen Rundkurses im Rahmen
eines Fahrtrainings (ohne Geschwindigkeitsbegrenzung) immanent. Nicht zuletzt
aus diesem Grund steht hierfür ein spezielles, vom allgemeinen Verkehr
getrenntes Gelände zur Verfügung. Der Unfallhergang weist keine spezifischen
Elemente auf, welche ihn als besonders dramatisch oder eindrücklich
erscheinen liessen.

4.4.2 Der Beschwerdeführer zog sich am 27. August 2000 eine Kontusion der
rechten Schulter sowie eine Distorsion der HWS zu. Dabei handelt es sich
nicht um Verletzungen besonderer Art oder Schwere im Sinne der
Rechtsprechung.

4.4.3 Es bestehen keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche
die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte.

4.4.4 Zur Art und Dauer der ärztlichen Behandlung lässt sich den Akten
entnehmen, dass von Beginn an Physiotherapie und zunächst auch eine
medikamentöse Behandlung durchgeführt wurden. Im März 2001 befand sich der
Versicherte zur muskuloskelettalen Rehabilitation in der Höhenklinik
X.________. Anschliessend wurden die physio- und bewegungstherapeutischen
Massnahmen fortgesetzt. Eine erneute medikamentöse Therapie hatte der Patient
gemäss dem Austrittsbericht der Höhenklinik abgelehnt, weil frühere Versuche
erfolglos geblieben waren. Die weiteren Behandlungen waren im Wesentlichen
physiotherapeutischer Art (die in der Klinik Y.________ durchgeführten
Massnahmen dienten diagnostischen Zwecken). Von einer aussergewöhnlich lange
dauernden kontinuierlichen, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die
Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung
(Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007, E. 8.3) kann unter diesen Umständen
nicht gesprochen werden (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4
S. 238 f., U 380/04, mit Hinweisen). Das Kriterium ist nicht erfüllt.

4.4.5 Vor dem Unfall hatte der Versicherte seine bisherige Tätigkeit auf dem
Bau aufgegeben. Nach den Ferien hätte er eine Arbeit als Lastwagenchauffeur
bei der Firma GG.________ AG antreten sollen, was jedoch wegen der
Unfallfolgen nicht möglich war. Anlässlich der bereits am 21. September 2000
durchgeführten ersten kreisärztlichen Untersuchung wurde die Arbeitsfähigkeit
ab 25. September 2000 auf 50 % und ab 9. Oktober 2000 wieder auf 100 %
beziffert. Am 14. November 2000 postulierte der Kreisarzt Dr. med. F.________
eine volle Arbeitsfähigkeit ab 11. Dezember 2000. Der Beschwerdeführer nahm
an diesem Tag zu 50 % eine Arbeit als Chauffeur bei einer
Getränkehandels-Firma auf, brach diesen Versuch aber nach einer Woche wegen
zunehmender Beschwerden (nach dem Tragen von Harassen mit einem Gewicht von
10 bis 25 kg) wieder ab. In der Folge wurde ihm wieder volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Ärzte der Höhenklinik X.________ gingen im
Austrittsbericht vom 23. März 2001 von einer zunächst 25%igen,
steigerungsfähigen Arbeitsfähigkeit aus. Eine solche liess sich jedoch nicht
realisieren. Der Neurologe Dr. med. S.________ hält in seinem Gutachten vom
4. September 2002 eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als Chauffeur für
ausgeschlossen, weil sie keine wechselpositionierte Arbeit zulasse. Eine
geeignete Tätigkeit (in Wechselposition, ohne schwere körperliche Arbeiten)
sei aus neurologischer Sicht zu 70 % zumutbar, während aus
neuropsychologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe. Dr. med.
D.________ führte am 16. Dezember 2002 aus, er sehe vom Befund her keine
eindeutige Rechtfertigung der vollen Arbeitsunfähigkeit. Im Bericht des
Kreisarztes Dr. med. R.________ vom 14. März 2003 wird, gestützt auf die
Stellungnahme des Dr. med. S.________, ab 5. Mai 2003 bezogen auf die Arbeit
als Handlanger/ Hilfsarbeiter eine Arbeits-/Vermittelbarkeit von 50 % in
einem adäquaten beruflichen Umfeld als gegeben erachtet. In seiner
Stellungnahme vom 23. Januar 2004 gelangte der Kreisarzt Dr. med. R.________
schliesslich - unter Berücksichtigung der Vorakten einschliesslich der
zwischenzeitlich in Deutschland erstellten neurologisch-psychiatrischen,
neuropsychologischen sowie hals-nasen-ohren-ärztlichen Gutachten - zum
Ergebnis, in einer Arbeit mit wechselbelastenden Positionen und angepassten
körperlichen Anforderungen bestehe grundsätzlich volle Arbeitsfähigkeit.
Diese Einschätzung - für die Zeit ab 1. März 2004 - liegt auch der Verfügung
vom 26. Januar 2004 zu Grunde. Dr. med. N.________ schätzt die
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit mit wechselnd
sitzender/stehender Körperhaltung, ohne Kopfzwangshaltung und ohne
Schultergürtelbelastung auf 50 %. Das Gutachten des Ärztlichen
Begutachtungsinstituts FF._________ gelangt im Wesentlichen zum gleichen
Resultat.
Mit Blick auf die dazu entwickelte Praxis (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 f.,
U 56/00) hat das Kriterium der nach Grad und Dauer erheblichen
Arbeitsunfähigkeit bei dieser Sachlage als erfüllt zu gelten, dies allerdings
nicht in einer Intensität, welche für sich allein die Bejahung der Adäquanz
zu rechtfertigen vermöchte.

4.4.6 Ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen können
nach der neueren Rechtsprechung nicht bereits aus dem Fortbestehen bestimmter
Symptome abgeleitet werden, sondern setzen voraus, dass besondere Gründe
gegeben sind (Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007, E. 8.5). Nach Lage der
Akten liess sich anfänglich eine allseitige deutliche Bewegungseinschränkung
im Bereich der HWS objektivieren. Überdies waren verschiedene Elemente des
"typischen" Beschwerdebildes gegeben. Der Neurologe Dr. med. I.________
stellte am 7. Dezember 2000 eine eindeutige Besserung der Symptome fest; nach
dem kurz darauf unternommenen, gescheiterten Arbeitsversuch zeigten sich
jedoch wieder verstärkte Beschwerden. Ab Mitte März 2001 berichtete der
Beschwerdeführer neben den bereits zuvor angegebenen Symptomen (Nacken- und
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Schlafstörungen, teilweise
Übelkeit) über einen Tinnitus. Ob dessen Auftreten grundsätzlich geeignet
sein könnte, einen schwierigen Heilungsverlauf bzw. erhebliche Komplikationen
zu begründen, ist jedoch nicht näher zu prüfen, da die Unfallkausalität
dieses Leidens nicht hinreichend erstellt ist: Dr. med. M.________ neigt in
seinem Gutachten vom 10. Januar 2002 zur Bejahung der Frage, ob diese
Symptomatik in einem (natürlichen) Kausalzusammenhang mit dem Unfall stehe.
Der Arzt vermag jedoch keine schlüssige Erklärung für die Latenzzeit von
sechs bzw. sieben Monaten seit dem Unfall zu liefern. Das Gutachten der
Hals-Nasen-Ohren-Klinik AA.________/DE vom 22. August 2003 führte zum
Ergebnis, es könne mit hinreichender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen eines
Ohrgeräusches ausgegangen werden. Ein Kausalzusammenhang mit dem Unfall müsse
aber aufgrund der grossen zeitlichen Latenz als unwahrscheinlich bezeichnet
werden. Unter diesen Umständen kann zwar der Aussage des kantonalen Gerichts,
der Tinnitus sei "offenkundig unfallfremd", nicht beigepflichtet werden. Die
Einschätzung der Vorinstanz trifft aber im Ergebnis insofern zu, als der
Nachweis für die Unfallkausalität nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erbracht ist. Andere Faktoren, welche im Sinne von "besonderen Gründen"
geeignet wären, das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs als gegeben
erscheinen zu lassen, sind nicht ersichtlich.

4.4.7 In den ärztlichen Berichten wird seit dem Unfall über Kopf- und
Nackenschmerzen berichtet. Verschiedentlich traten vorübergehend kurzfristige
Besserungen ein, welche aber jeweils nicht anhielten. Unter diesen Umständen
sind unfallkausale körperliche Dauerschmerzen ausgewiesen. Auf die
gegenteiligen Ergebnisse des neurologisch-psychiatrischen Gutachtens des Dr.
med. U.________/DE vom 7. Oktober 2003 kann nicht abgestellt werden, da die
Aussage, die Kopfschmerzen liessen sich "aus neurologischer Sicht mit dem
Unfallgeschehen nicht in Verbindung bringen", direkt aus den unauffälligen
Ergebnissen der bildgebenden Untersuchungen abgeleitet wird. Gleiches gilt
für die Stellungnahme der Dr. med. A.________ vom 17. Oktober 2005, soweit
darin die natürliche Kausalität mit der Begründung verneint wird, leichte so
genannte Scherverletzungen im Rahmen von Schädel-Hirntraumata heilten nach
einem Jahr aus, während schwerere mit einer initial schwerwiegenden Klinik
sowie im MRI nachweisbaren Läsionen verbunden sein müssten. Diese Aussagen
lassen sich nicht mit der Rechtsprechung vereinbaren. Nach dieser können bei
einem Schleudertrauma der HWS, einem Schädel-Hirntrauma oder einer
äquivalenten Verletzung auch ohne nachweisbare pathologische Befunde noch
Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten
(BGE 117 V 359 E. 5d/aa S. 363). Das Kriterium der Dauerbeschwerden ist
daher, insbesondere gestützt auf das Gutachten des Dr. med. N.________, zu
bejahen. Dies stimmt mit der Beurteilung durch die SUVA im
Einspracheentscheid vom 27. Januar 2005 überein.

4.5 Zusammenfassend sind die Kriterien der nach Grad und Dauer erheblichen
Arbeitsunfähigkeit sowie der Dauerbeschwerden erfüllt. Dies genügt nicht, um
die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen. Die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher abzuweisen.

5.
Das Verfahren ist kostenfrei (Art. 134 Satz 1 OG in der vom 1. Juli bis
31. Dezember 2006 gültig gewesenen Fassung).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und dem Bundesamt für Gesundheit zugestellt.
Luzern, 19. November 2007

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Flückiger