Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Kassationshof in Strafsachen 6A.58/2005
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6A.58/2005 /ast

Urteil vom 22. November 2005
Kassationshof

Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Zünd, Karlen,
Gerichtsschreiber Boog.

X. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Vonesch,

gegen

Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern, Abteilung
Koordination, Straf- und Massnahmenvollzug, Hirschengraben 36, 6002 Luzern,
Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Verwaltungsrechtliche Abteilung,
Obergrundstrasse 46, 6002 Luzern.

Probeweise Entlassung aus der Verwahrung,

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Luzern vom 6. September 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a X.________ beging in der Zeit von April 1978 bis Juni 1979 drei
Notzuchtdelikte (Vergewaltigungen) und wurde aufgrund dessen vom Amtsgericht
Oberhasli am 17. Juni 1980 zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Vom 21. Januar
bis 9. Oktober 1983 verübte er 13 weitere Notzuchtdelikte, wobei es in fünf
Fällen beim Versuch blieb. Das Obergericht des Kantons Luzern verurteilte
X.________ hiefür in zweiter Instanz mit Urteil vom 8. Juli 1986 zu 7 Jahren
Zuchthaus und ordnete eine ambulante Massnahme während des Strafvollzuges an.
Von der erstinstanzlich angeordneten Verwahrung sah es ab. Nach der
Entlassung aus dem Strafvollzug beging X.________ in der Zeit vom 3. Juni
1989 bis 18. Januar 1990 erneut acht Notzuchtdelikte, wobei es in drei Fällen
beim Versuch blieb. Er wurde deswegen am 29. Januar 1990 verhaftet. In der
Folge flüchtete er mehrmals aus der Untersuchungshaft und wurde letztmals am
29. Januar 1999 in A.________ (D) festgenommen.

Mit Urteil vom 8. Juli 1999 erklärte das Obergericht des Kantons Luzern
X.________ als Appellationsinstanz schuldig
- der mehrfachen Gefährdung des Lebens (Art. 129 Abs. 1 aStGB),
- des Diebstahls (Art. 137 Ziff. 1 aStGB),
- der Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB),
- der Notzucht (Art. 187 Abs. 1 aStGB),
- des unvollendeten Notzuchtversuchs (Art. 187 Abs. 1 aStGB i.V.m. Art. 21
 Abs. 1 StGB),
- der mehrfachen Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB),
- des mehrfachen Vergewaltigungsversuchs (Art. 190 Abs. 1 StGB i.V.m.  Art.
21 Abs. 1 StGB) und
- der Gewalt und Drohung gegen Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB)
und verurteilte ihn zu 7 Jahren Zuchthaus (abzüglich 1'518 Tage
Freiheitsentzug), teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des
Gerichtspräsidenten II von Interlaken vom 1. Dezember 1989. Ferner ordnete es
unter Aufschub des Strafvollzugs die Verwahrung von X.________ nach Art. 43
Ziff. 1 Abs. 2 StGB an, verbunden mit einer psychotherapeutischen Behandlung.
Das Strafverfahren wegen Amtsanmassung  nach Art. 287 StGB und mehrfachen
Führens eines Personenwagens trotz Führerausweisentzugs nach Art. 95 Ziff. 2
SVG stellte es zufolge Verjährung ein.

Der Vollzug der Verwahrung begann am 8. Juli 1999 im Anschluss an die
Untersuchungshaft. Eine gegen das Urteil des Obergerichts eingereichte
Nichtigkeitsbeschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 6. Juli 2000 ab.

A.b Das Justizdepartement (heute: Justiz- und Sicherheitsdepartement) des
Kantons Luzern lehnte mit Verfügung vom 6. September 2000 im Rahmen der
jährlich vorzunehmenden Prüfung die probeweise Entlassung von X.________ aus
der Verwahrung ein erstes Mal ab. Am 14. März 2001 reichte X.________ beim
zuständigen Departement ein Gesuch um probeweise Entlassung aus dem
Massnahmenvollzug ein. Nach Vorliegen des Gutachtens von Dr. Y.________ vom
21. Juni 2001 und nach Anhörung der Fachkommission Innerschweiz
"Gemeingefährliche Straftäter" (FKGS; Stellungnahme vom 3.11.2001) wies das
Departement das Gesuch mit Entscheid vom 22. März 2002 ab.

A.c Im Hinblick auf die nächste periodische Prüfung der probeweisen
Entlassung holte das Departement beim Psychiatriezentrum Luzern-Stadt ein
weiteres psychiatrisches Gutachten und bei der FKGS eine erneute
Stellungnahme ein. Gestützt darauf lehnte das Justiz- und
Sicherheitsdepartement, Abteilung Koordination Straf- und Massnahmenvollzug,
mit Entscheid vom 26. August 2004 die probeweise Entlassung von X.________
aus dem Massnahmenvollzug ab.

Eine hiegegen von X.________ erhobene  Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies das
Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Urteil vom 6. September 2005 ab,
soweit es darauf eintrat.

B.
X.________ führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde, mit der er beantragt, das
angefochtene Urteil sei aufzuheben und er sei probeweise aus dem
Massnahmenvollzug zu entlassen. Eventualiter sei ihm eine markante
Hafterleichterung im Rahmen des gegenwärtigen Massnahmenvollzuges zu
gewähren. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege.

C.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern beantragt in seinen
Gegenbemerkungen die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.
Vernehmlassungen wurden nicht eingeholt.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Der angefochtene Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern ist
eine letztinstanzliche kantonale Verfügung betreffend den Straf- und
Massnahmenvollzug, welche der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das
Bundesgericht unterliegt (Art. 97 Abs. 1 OG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1
VwVG sowie Art. 98 lit. g OG; BGE 122 IV 8 E. 1a; 121 IV 303 E. 3; 119 IV 190
E. 1). Dem Beschwerdeführer steht als unmittelbar Betroffenem das
Beschwerderecht zu (Art. 103 lit. a OG). Die Eingabe erfolgt innert
gesetzlicher Frist (Art. 106 Abs. 1 OG). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.

Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht,
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, gerügt
sowie eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 104 lit. a und b OG). Nach
ständiger Rechtsprechung kann dabei auch die Rüge der Verletzung von
Bundesverfassungsrecht erhoben werden, soweit diese eine Angelegenheit
betrifft, die in die Sachzuständigkeit der eidgenössischen
Rechtspflegeinstanz fällt (BGE 122 IV 8 E. 2a; 120 Ib 287 E. 3a und d). Nicht
überprüfen kann das Bundesgericht grundsätzlich die Angemessenheit des
angefochtenen Entscheides (Art. 104 lit. c OG).

Gemäss Art. 105 Abs. 2 OG ist das Bundesgericht an die Feststellung des
Sachverhalts gebunden, wenn eine richterliche Behörde als Vorinstanz den
Sachverhalt nicht offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter
Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt hat. An die
Begründung der Begehren ist es nicht gebunden (Art. 114 Abs. 1 OG).

2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Grund für die Verwahrung sei
weggefallen. Das Verwaltungsgericht habe zwar zur Kenntnis genommen, dass
sich seine Persönlichkeit verändert habe. Es sei aber von den positiv
lautenden Stellungnahmen des Gutachters und des Therapeuten ohne triftige
Gründe abgewichen. Sein Therapeut habe im Bericht vom 10. September 2001
bestätigt, dass keine besondere Rückfallgefahr mehr bestehe, dass er offener
und spontaner kontakt- und beziehungsfähig geworden sei und dass ein
entscheidender Veränderungsprozess in seiner Persönlichkeit eingetreten sei
und er einen anderen Bezug zu sich selbst gefunden habe. Auch das neue
psychiatrische Gutachten vom 28. Februar 2003 sei vom Verwaltungsgericht nur
einseitig zu seinen Ungunsten gewürdigt worden. Aus dieser Begutachtung
ergebe sich ebenfalls, dass sich eine klare Veränderung in seinem Verhalten
gezeigt habe.

Eventualiter wendet sich der Beschwerdeführer dagegen, dass das
Verwaltungsgericht entgegen den Empfehlungen des psychiatrischen Gutachtens
Hafterleichterungen mit dem Hinweis auf Flucht- und Rückfallgefahr verweigert
hat.

2.2 Das Verwaltungsgericht erwägt, sämtliche mit dem Beschwerdeführer
befassten Strafgerichte seien von einer bei ihm diagnostizierten
Persönlichkeitsstörung ausgegangen. So habe namentlich das Bundesgericht in
seinem Entscheid vom 6. Juli 2000 (6S.848/1999, E. 3b) ausgeführt, der
Beschwerdeführer verkenne offensichtlich den Schweregrad seiner
Persönlichkeitsstörung, die auch heute noch als entscheidender Faktor der
sexuellen Delinquenz anzusehen sei. Dementsprechend sei dem Beschwerdeführer
im Strafverfahren einerseits eine herabgesetzte Zurechnungsfähigkeit und
andererseits eine Sozialgefährlichkeit attestiert worden, welche die
Anordnung einer Verwahrung erfordere. Diese festgestellte
Massnahmebedürftigkeit bilde den Ausgangspunkt für die Frage, ob sich die
Verhältnisse seither massgeblich verändert hätten.

Gestützt auf das psychiatrische Gutachten des Psychiatriezentrums
Luzern-Stadt vom 28. Februar 2003 und die Stellungnahme der FKGS vom 22. Juli
2003 gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, der Grund für die Verwahrung
sei weder vollständig noch teilweise weggefallen, weshalb der
Beschwerdeführer auch nicht probeweise aus der Anstalt entlassen werden
könne. Im Wesentlichen führt es aus, es werde nicht verkannt, dass die bisher
durchgeführte Einzeltherapie erste Wirkungen gezeigt habe. Die FKGS habe aber
in ihrer aktuellen Stellungnahme ihre frühere Einschätzung erneuert, wonach
zusätzlich eine deliktsorientierte Gruppentherapie unerlässlich und dringend
geboten sei. Auch das neueste Gutachten habe hinsichtlich der Störung der
Sexualpräferenz bzw. der paraphilen Veranlagung festgestellt, diese seien
noch nicht hinreichend bearbeitet worden. Selbst der Therapeut des
Beschwerdeführers habe in seiner Stellungnahme die Aufnahme seines Klienten
in eine deliktszentrierte Gruppentherapie in Kombination mit der bestehenden
Einzeltherapie in Aussicht gestellt, sobald die Voraussetzungen in der
Strafanstalt Lenzburg gegeben seien. Eine solche Therapie sei aber bis heute
nicht in Angriff genommen worden. Unter diesen Umständen könne der
Beschwerdeführer aber nicht als hinreichend therapiert gelten, so dass die
Rückfallgefahr nach wie vor bestehe. Diese sei im Hinblick darauf zu
würdigen, dass der Beschwerdeführer in verschiedenen Deliktsperioden eine
Vielzahl von Frauen physisch beeinträchtigt und vor allem psychisch
schwerwiegend verletzt sowie auch in der Zwischenzeit deutlich
Gewaltbereitschaft gezeigt habe. Das öffentliche Schutzinteresse sei in einem
solchen Fall entsprechend hoch einzustufen.

3.
Gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2 StGB ist die Verwahrung anzuordnen, wenn der
Täter infolge seines Geisteszustandes die öffentliche Sicherheit in schwer
wiegender Weise gefährdet und diese Massnahme notwendig ist, um ihn von
weiterer Gefährdung anderer abzuhalten. Ist der Grund für die Verwahrung
weggefallen, beschliesst die zuständige Behörde nach Art. 43 Ziff. 4 Abs.1
StGB die Aufhebung der Massnahme. Ist der Grund nicht vollständig
weggefallen, so kann sie die probeweise Entlassung aus der Anstalt oder der
Behandlung anordnen. Sie kann den probeweise Entlassenen unter Schutzaufsicht
stellen (Art. 43 Ziff. 4 Abs. 2) und ihm Weisungen erteilen (Art. 45 Ziff. 2
StGB).

Nach Art. 45 Ziff. 1 StGB prüft die zuständige Behörde von Amtes wegen
mindestens einmal jährlich, ob und wann für eine auf Grund ihres
Geisteszustands verwahrte Person die bedingte Entlassung angeordnet werden
kann (Abs. 2). Sie hat vor diesem Entscheid den zu Entlassenden oder seinen
Vertreter anzuhören und von der Anstaltsleitung einen Bericht einzuholen
(Abs. 3). Die Rechtsprechung verlangt, dass der Verwahrte dabei persönlich
angehört wird (BGE 101 Ib 30 E. 2a S. 31 f.).

Beim Entscheid, ob eine probeweise Entlassung in Betracht kommt, ist der
geistige Zustand der fraglichen Person und das von ihr ausgehende Risiko
künftiger Straftaten zu berücksichtigen (BGE 122 IV 8 E. 3a S. 16). Es ist zu
prüfen, ob die Gründe für die Massnahme fortbestehen oder ob sie ganz oder
teilweise weggefallen sind. Dabei steht notwendigerweise die Frage im
Vordergrund, ob in der Zwischenzeit Änderungen eingetreten sind, welche die
Gefahr weiterer Straftaten durch den Eingewiesenen erheblich geringer
erscheinen lassen (vgl. Marianne Heer, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I,
Art. 43 N. 240).

4.
4.1 Soweit sich der Beschwerdeführer gegen die Würdigung des von seinem
Therapeuten eingereichten Berichts durch das Verwaltungsgericht wendet,
dringt er mit seiner Beschwerde nicht durch. Dass das Verwaltungsgericht den
Bericht des Therapeuten nur mit Zurückhaltung zu seinen Gunsten wertet, steht
im Einklang mit der Rechtsprechung und liegt darin begründet, dass dem
Therapeuten aufgrund des engen Vertrauensverhältnisses zu seinem Klienten im
Vergleich zum begutachtenden Sachverständigen die notwendige Neutralität
abgeht (vgl. BGE 128 IV 241 E. 3.2). Im Übrigen trifft nicht zu, dass das
Verwaltungsgericht annimmt, der Therapeut habe ein persönliches Interesse am
Ausgang der Begutachtung. Es führt lediglich aus, der Umstand, dass jeder
Therapeut in seiner Therapie einen Erfolg zu sehen wünsche, könne die
Einschätzung der Entwicklung seines Patienten bewusst oder unbewusst
beeinflussen. Damit begründet es zutreffend seine Zurückhaltung in der
Würdigung des vom Therapeuten verfassten Behandlungsberichts.

4.2 Unbegründet ist die Beschwerde auch, soweit der Beschwerdeführer weiter
geltend macht, das Verwaltungsgericht habe das neue psychiatrische Gutachten
einseitig zu seinen Ungunsten gewichtet.

4.2.1 Das Gutachten des Psychiatriezentrums Luzern-Stadt nimmt an, aus
heutiger Sicht seien die vorhandenen Anzeichen einer sozialen Kompetenz beim
Beschwerdeführer mit der in den Vorgutachten gestellten Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung nicht mehr vereinbar. Die allen Vorgutachtern
aufgefallene Selbstbezogenheit, seine Beharrlichkeit beim Durchsetzen von
Sonderwünschen gepaart mit übermässiger Kränkbarkeit und seine
Anspruchshaltung seien nunmehr als sog. akzentuierte narzisstische
Persönlichkeitszüge zu würdigen, denen kein Störungswert zukomme (Gutachten
S. 54 f.; vgl. auch S. 61). Ferner hält es die Eingangskriterien der WHO für
die Diagnose einer Störung der Sexualpräferenz bzw. einer Paraphilie (ICD-10
F65) eindeutig für erfüllt. Da Vergewaltigung als explizite Spielart einer
Paraphilie als solche nicht codiert sei, sei diagnostisch von einer sog.
"anderen Störung der Sexualpräferenz" (ICD-10 F65.8) auszugehen. Solche
Störungen seien schwer behandelbar, sie seien aber nicht notwendigerweise mit
Unbehandelbarkeit oder Rückfallgefahr verbunden (Gutachten S. 56). In seiner
zusammenfassenden Beurteilung kommt das Gutachten zum Schluss, die Prognose
hinsichtlich künftiger Sexualdelikte sei nicht unbedingt schlecht. In Bezug
auf die Rückfallprognose günstig zu werten sei die Konsolidierung der
Position im Leben des Beschwerdeführers. Prognostisch ungünstig sei sein
Hang, zu psychologisieren und den Aspekt der für seine Straftaten erfolgten
sexuellen Befriedigungen auszublenden. Insgesamt ist der Gutachter der
Ansicht, die Gefahr erneuter sexueller Straftaten sei nicht derart gross,
dass nicht eine vorsichtige Lockerung mit dem Ziel, den Massnahmenvollzug in
einem offenen Rahmen zu planen, durchgeführt werden könnte. Nicht so
optimistisch sei er hinsichtlich der Fluchtgefahr (Gutachten S. 59 f.). Zu
den ihm vorgelegten Fragen führt der Gutachter aus, gegen eine erhöhte
Rückfallgefahr spreche die lange deliktsfreie Zeit ausserhalb geschlossener
Institutionen während seiner Flucht, das Fehlen krasser Beschönigungen sowie
sein Alter. Das grundlegende Problem des Beschwerdeführers, seine Störung der
Sexualpräferenz bzw. seine paraphile Veranlagung sowie die bei den
Vergewaltigungen erlangte sexuelle Befriedigung, sei noch nicht hinreichend
bearbeitet worden (Gutachten S. 62). Aufgrund des aktuellen
psychopathologischen Zustandsbildes, aber auch aufgrund seines Alters müsse
die Prognose aus forensisch-psychiatrischer Sicht zweifellos günstiger
ausfallen. Massnahmen, welche in Richtung einer endgültigen Entlassung
hinzielten, schienen verantwortbar. Ob langfristig eine Entlassung
tatsächlich realisierbar sei, könne zum heutigen Zeitpunkt nicht endgültig
entschieden werden (Gutachten S. 63).

4.2.2 Das Verwaltungsgericht verletzt kein Bundesrecht, wenn es gestützt auf
das aktuelle Gutachten annimmt, der Grund für die Verwahrung sei weder
vollständig noch teilweise weggefallen. Sie folgt in dieser Hinsicht zu Recht
der Auffassung der FKGS, nach welcher beim Beschwerdeführer eine
Gesprächstherapie allein nicht zum Ziel führe, sondern die Aufnahme einer
deliktsspezifischen Gruppentherapie unerlässlich und dringend geboten sei,
wobei die Gruppe möglichst homogen mit gewalttätigen Sexualdelinquenten
zusammengesetzt sein sollte (Stellungnahme vom 22. Juli 2003 S. 6;
Stellungnahme vom 3. November 2001 S. 15). Insofern weicht das
Verwaltungsgericht auch nicht vom neuen Gutachten ab, denn auch dieses hält
fest, dass das grundlegende Problem des Beschwerdeführers, seine Störung der
Sexualpräferenz und die bei den Vergewaltigungen erlangte sexuelle
Befriedigung, noch nicht hinreichend bearbeitet worden sei (Gutachten S. 62).
Die Auffassung des Verwaltungsgerichts wird auch durch die allgemein bekannte
Tatsache gestützt, dass eine Persönlichkeitsstörung, wie sie beim
Beschwerdeführer in den früheren Gutachten diagnostiziert und nunmehr – in
allerdings abgeschwächter Form – auch vom aktuellen Gutachten erkannt worden
ist, gemeinhin als nur schwer behandelbar gilt (vgl. Stellungnahme der FKGS
vom 3. November 2001, S. 10 [unter Hinweis auf das Gutachten der PUK-Basel
vom 12.11 1998] und 14). Dies wird vom aktuellen Gutachten auch für die
nunmehr diagnostizierte "andere Störung der Sexualpräferenz" bestätigt
(Gutachten S. 56). Von daher ist nicht zu beanstanden, wenn das
Verwaltungsgericht annimmt, der blosse Umstand, dass sich der
Beschwerdeführer während seiner langjährigen Flucht in Deutschland keine
weiteren Delikte habe zu Schulden kommen lassen, biete keine hinreichende
Gewähr dafür, dass er bei einer Entlassung aus der Verwahrung nicht wieder
rückfällig werden könnte. Daran ändern auch die in der Einzeltherapie
erzielten ersten Fortschritte nichts, zumal als adäquate Behandlung
derartiger Störungen, wie sie dem Beschwerdeführer zugeschrieben werden,
übereinstimmend nur eine deliktsorientierte Gruppentherapie vorgeschlagen
wird.

Das angefochtene Urteil verstösst daher in diesem Punkt nicht gegen
Bundesrecht. Jedenfalls hat das Verwaltungsgericht sein Ermessen nicht
verletzt. Die Beschwerde ist insoweit unbegründet.

4.3 Nicht zu beanstanden ist das angefochtene Urteil schliesslich auch,
soweit das Verwaltungsgericht von Vollzugslockerungen absieht.

Es trifft zu, dass es besonders bei Verwahrten oft schwierig ist, das
Fortbestehen der Gefährlichkeit zuverlässig zu beurteilen, weil das Leben in
der Anstalt nur eingeschränkte Möglichkeiten bietet, die Veränderungen der
Gefährlichkeit eines Täters objektiv belegen zu können. Um diesen
Schwierigkeiten zu begegnen, erfolgt der Vollzug der Massnahmen in der Regel
nach einem mehrstufigen Plan (Heer, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art.
43 N 245 f.; Brunner, Straf- und Massnahmenvollzug, in: Marcel Alexander
Niggli/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Strafverteidigung, Basel/Genf/München
2002,  N 6.92 f., 6.105). Lockerungen des Vollzugsregimes sind aber an
entsprechende therapeutische Fortschritte geknüpft. Bereits im Zusammenhang
mit der Frage, ob die Voraussetzungen für eine probeweise Entlassung aus der
Verwahrung erfüllt sind, ist auf die Notwendigkeit einer adäquaten
Gruppentherapie verwiesen worden. Dies gilt hier in gleichem Masse, zumal
Vollzugserleichterungen als Bestandteil der Behandlung selbst erscheinen
(Heer, a.a.O., Art. 43 N 246 a.E.). Solange die als geboten erachtete
Therapie nicht aufgenommen worden ist, kann sich daher die Frage nach
Vollzugslockerungen noch nicht stellen (Stellungnahme der FKGS vom 22. Juli
2003 S. 6). Das Verwaltungsgericht verweist in diesem Zusammenhang zu Recht
auch auf die bestehende Fluchtgefahr, welche vom aktuellen Gutachten
bestätigt wird (Gutachten S. 59 f.).
Die Beschwerde erweist sich daher auch in diesem Punkt als unbegründet.

5.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die Kosten (Art. 156 Abs. 1 OG). Das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 152 OG kann bewilligt
werden, da von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, diese
ausreichend belegt ist (vgl. BGE 125 IV 161 E. 4) und er den angefochtenen
Entscheid überdies mit vertretbaren Argumenten in Frage gestellt hat (vgl.
BGE 124 I 304 E. 2 mit Hinweisen). Dem Beschwerdeführer werden deshalb keine
Kosten auferlegt. Seinem Vertreter wird aus der Bundesgerichtskasse eine
angemessene Entschädigung ausgerichtet.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird für das bundesgerichtliche
Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- aus der Bundesgerichtskasse
ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Justiz- und
Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern, Abteilung Koordination, Straf- und
Massnahmenvollzug und dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 22. November 2005

Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: