Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

BGE 129 IV 71



129 IV 71

10. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes i.S. X. gegen
Generalprokurator des Kantons Bern sowie A. und B. (Nichtigkeitsbeschwerde)

    6S.207/2002 vom 26. November 2002

Regeste

    Art. 195 Abs. 1 und 2 StGB; Förderung der Prostitution.

    Prostitution besteht im gelegentlichen oder gewerbsmässigen Anbieten
und Preisgeben des eigenen Körpers an beliebige Personen zu deren sexueller
Befriedigung gegen Geld oder geldwerte Leistungen. Sie braucht weder
regelmässig ausgeübt zu werden noch muss sie zur eigentlichen Lebensform
geworden sein (E. 1.4).

    Wer die Handlungsfreiheit einer mündigen Person gezielt schwächt und
ihre Abhängigkeit ausnützt, sodass sie sich mehrmals Dritten gegen Geld
sexuell hingibt, führt sie in die Prostitution im Sinne von Art. 195
Abs. 2 StGB ein. Gleich verhält es sich, wenn der Täter das Opfer im
Hinblick auf geldwerte Vorteile unter Druck setzt oder dessen besondere
Unterlegenheit ausnützt (E. 1.4).

    Anforderungen an die tatsächlichen Feststellungen zu den
Tatbestandselementen im konkreten Fall (E. 1.5).

    Bei unmündigen Personen bedeutet "Zuführen" im Sinne von Art. 195
Abs. 1 StGB, sie zu veranlassen, sich mehr als ein Mal gegen Geld anderen
Personen sexuell hinzugeben. Im Unterschied zu Absatz 2 der Norm genügt
es hier, wenn ein altersmässig oder sonst wie überlegener Täter die
Jugendlichkeit des Opfers ausnützt und es zur Prostitution drängt oder
überredet. Das Ausnützen einer Abhängigkeit oder das Handeln eines
Vermögensvorteils wegen ist nicht erforderlich (E. 2.3).

Sachverhalt

    A.- X., von Beruf Fotograf mit eigenem Atelier, sprach im Oktober
1996 in einem Berner Restaurant A. (Beschwerdegegnerin 1) an, unter
dem Vorwand, ein Fotomodell für Jeans von Karl Lagerfeld zu suchen. In
der Folge schlossen die beiden einen Vertrag ab. Zwischen Oktober und
Dezember 1996 führte X. mehrere Fotosessionen mit der Beschwerdegegnerin 1
als Modell durch, wobei er auch Akt- und Erotikbilder machte. Anlässlich
dieser Sessionen näherte sich der Fotograf seinem Modell sexuell, worauf
ihn die Beschwerdegegnerin 1 manuell befriedigte.

    Zwischen dem 18. und 23. Dezember 1996 führte X. die Beschwerdegegnerin
1 zum Zwecke der Prostitution in verschiedene Etablissements ein, unter
anderem auch in den Y-Club und in eine Diskothek in Luzern. Im Y-Club
erbrachte sie mehreren Männern Liebesdienste für Geld. Mit einem der
Kunden vollzog sie den Beischlaf.

    Bemüht, Karriere zu machen, unterschrieb die Beschwerdegegnerin 1
in der genannten Zeit alles, was X. ihr vorlegte, unter anderem auch
eine Schuldanerkennung über Fr. 33'000.-. Diese setzte X. später ein,
um seiner Drohung Nachdruck zu geben, die Beschwerdegegnerin 1 und ihre
Familie "medienmässig fertig zu machen". Schliesslich beauftragte X.
ein Inkassobüro damit, die Geldforderung gegen die Beschwerdegegnerin 1
einzutreiben. Er verkaufte ferner diverse Akt- und Erotikfotos von ihr
an eine grosse Tageszeitung. Diese veröffentlichte die Fotos kurz vor
dem Auftritt der Beschwerdegegnerin 1 an einem Gesangswettbewerb.

    Abgesehen von verschiedenen sexuellen Handlungen zum Nachteil der
noch nicht mündigen B. (Beschwerdegegnerin 2) brachte X. sie mit der ihm
eigenen kraftvollen "Überredungskunst" dazu, zwei Männer gegen Entgelt
oral zu befriedigen. Diese Handlungen fanden im Frühling 1997 statt.

    B.- Das Obergericht des Kantons Bern sprach X. am 8. April 2002 wegen
dieser und weiterer Taten zweitinstanzlich schuldig des Fahrens eines
Personenwagens in angetrunkenem Zustand, der Vereitelung einer Blutprobe,
der sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen sexuellen Nötigung,
der sexuellen Handlungen mit Abhängigen, der mehrfachen vollendeten und
versuchten Förderung der Prostitution, der versuchten Nötigung sowie
der Erpressung und bestrafte ihn mit 30 Monaten Gefängnis, teilweise
als Zusatzstrafe zum Urteil des Strafamtsgerichts Bern vom 20. Oktober
1995. Es schied für die vor dem 20. Oktober 1995 begangenen Delikte eine
Strafquote von 15 Monaten aus. Schliesslich verpflichtete das Obergericht
X., der Beschwerdegegnerin 2 eine Genugtuung von Fr. 15'000.- und der
Beschwerdegegnerin 1 eine Genugtuung von Fr. 2'000.- zu bezahlen. X. führt
dagegen eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde.

    Das Bundesgericht heisst die Beschwerde im Strafpunkt in Anwendung
von Art. 277 BStP teilweise gut.

Auszug aus den Erwägungen:

                       Aus den Erwägungen:

Erwägung 1

    1.  Der Beschwerdeführer wendet sich gegen seine Verurteilung wegen
vollendeter und versuchter Förderung der Prostitution zum Nachteil der
Beschwerdegegnerin 1.

    1.1  Die Vorinstanzen erwägen, der Beschwerdeführer habe die
Beschwerdegegnerin 1 in den Y-Club eingeführt. Auf sein Drängen hin
und aufgrund seiner Drohungen habe sie sich Männern gegen Geld sexuell
hingegeben. Mit einem Kunden sei es zum Beischlaf gekommen. Wesentlich
sei, dass diese Handlungen im Zusammenhang mit den finanziellen Forderungen
des Beschwerdeführers gestanden hätten und das Selbstbestimmungsrecht
der Beschwerdegegnerin 1 deutlich eingeschränkt gewesen sei. Art. 195
StGB erfülle bereits, wer jemanden gelegentlich der Prostitution
zuführe. Entscheidend sei nicht die Intensität der Prostitution,
sondern das initiale Zuführen in diese Tätigkeit. Der Beschwerdeführer
habe sich der Förderung der Prostitution schuldig gemacht, auch wenn
die Beschwerdegegnerin 1 ihm das verdiente Geld nicht weitergeleitet
habe. In den übrigen Fällen, in denen der Beschwerdeführer sie in andere
"Etablissements" eingeführt habe, ohne dass es zu sexuellen Handlungen
mit Kunden gekommen sei, liege bloss versuchte Förderung der Prostitution
vor, da der vom Beschwerdeführer angestrebte Vermögensvorteil nicht
eingetreten sei.

    1.2  Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz begründe nicht,
weshalb sie im Gegensatz zum Kreisgericht nur von einem statt von mehreren
im Y-Club bedienten Freiern ausgehe. Ebenso stelle die Vorinstanz nichts
fest, was über das "Bringen" der Beschwerdegegnerin 1 in Etablissements
hinausgehe. Sie berücksichtige nicht, dass die Beschwerdegegnerin 1 in
der Zeit vor und nach den Besuchen in den erwähnten Etablissements ein
ausschweifendes Sexualleben gepflegt habe. Sachverhaltsfeststellungen,
die über ein blosses "Verleiten" oder "Anstiften" hinausgingen, lägen keine
vor. Die gewisse Intensität der Einwirkung, die notwendig wäre, sei nicht
erfüllt. Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Beschwerdegegnerin sei
nicht in strafrechtlich relevantem Mass beeinträchtigt gewesen. Mit Blick
auf Art. 195 StGB müsse das erwachsene Opfer erheblich unter Druck gesetzt
worden sein, um die Ausnützung der Abhängigkeit und eines Vermögensvorteils
annehmen zu können. Das sei gestützt auf die Sachverhaltsfeststellungen
der Vorinstanz zu verneinen.

    1.3  Nach Art. 195 StGB ("Ausnützung sexueller Handlungen. Förderung
der Prostitution") wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder mit Gefängnis
bestraft, wer

    - eine unmündige Person der Prostitution zuführt (Abs. 1);

    - eine Person unter Ausnützung ihrer Abhängigkeit oder eines
Vermögensvorteils wegen der Prostitution zuführt (Abs. 2);

    - die Handlungsfähigkeit einer Person, die Prostitution betreibt,
dadurch beeinträchtigt, dass er sie bei dieser Tätigkeit überwacht oder
Ort, Zeit, Ausmass oder andere Umstände der Prostitution bestimmt (Abs. 3);

    - eine Person in der Prostitution festhält (Abs.  4).

    Art. 195 StGB ist bei der Revision des Sexualstrafrechts von 1992 an
die Stelle der altrechtlichen Art. 198, 199, 200 und 201 StGB getreten. Die
Bestimmung schützt sowohl Personen davor, gegen ihren Willen dazu gebracht
zu werden, sich zu prostituieren, als auch die Entscheidungsfreiheit
von Personen, die bereits als Prostituierte arbeiten. Der Gesetzgeber
wollte die Strafbarkeit der ethisch missbilligenswerten Kuppelei und
Zuhälterei auf Fälle einschränken, in denen der Täter die aufgrund
einer Unterlegenheit bzw. Abhängigkeit verminderte Handlungsfreiheit des
Opfers ausnützt (vgl. Botschaft über die Änderung des Schweizerischen
Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes [Strafbare Handlungen
gegen Leib und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie]
vom 26. Juni 1985, BBl 1985 II 1009 ff., 1082). Ob die Willens- und
Handlungsfreiheit des Opfers eingeschränkt war, bestimmt sich nach dessen
individuellen Fähigkeiten im gesamten jeweiligen Kontext.

    Die Norm schützt die sexuelle Selbstbestimmung im Bereich
der Prostitution nur vor besonderen, abschliessend umschriebenen
Beeinträchtigungen. Denn das Strafrecht gründet auf dem Menschenbild,
Erwachsene könnten innerhalb der Beschränkungen, die das tägliche Leben
mit sich bringen, ihren Willen grundsätzlich frei bilden und umsetzen.

    1.4  Prostitution besteht im gelegentlichen oder gewerbsmässigen
Anbieten und Preisgeben des eigenen Körpers an beliebige Personen zu deren
sexueller Befriedigung gegen Geld oder geldwerte Leistungen (Botschaft, BBl
1985 II 1082 f.). Es genügt grundsätzlich jede hetero- oder homosexuelle
Handlung, mit der ein Kunde oder eine Kundin über einen körperlichen
Kontakt befriedigt werden soll. Prostitution liegt schon vor, wenn sich
das Opfer erst vereinzelt in der oben umschriebenen Weise Dritten angeboten
und hingegeben hat. Es ist somit nicht erforderlich, dass die Prostitution
regelmässig ausgeübt wird und für das Opfer zu einer eigentlichen
Lebensform geworden ist, es sich also unbestimmt vielen Personen im Sinne
eines (Haupt- oder Neben-)Erwerbs anbietet (vgl. Botschaft, S. 1082 f.;
ebenso JÖRG REHBERG/NIKLAUS SCHMID, Strafrecht III, 7. Aufl., Zürich 1997,
S. 410; JÖRG REHBERG, Das revidierte Sexualstrafrecht, AJP 1993 S. 26;
a.A. GUIDO JENNY, Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, 4. Bd.:
Delikte gegen die sexuelle Integrität und gegen die Familie, Art. 195
StGB N. 5; GÜNTER STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer
Teil 1, 5. Aufl., Bern 1995, § 9 N. 6; STEFAN TRECHSEL, Kurzkommentar,
2. Aufl., Zürich 1997, Art. 195 StGB N. 2). Diese Begriffsumschreibung
ist offensichtlich sehr weit und geht bei gelegentlichen Sexualkontakten
möglicherweise über das hinaus, was gemeinhin unter Prostitution verstanden
wird (BGE 121 IV 86 E. 2a S. 88 mit Hinweis auf STRATENWERTH, aaO,
N. 6). Fraglich ist nur, wie gelegentlich bzw. wie selten das Verhalten
sein muss, um noch als Prostitution im Sinne von Art. 195 StGB zu gelten
(STRATENWERTH, aaO, N. 6).

    Der Prostitution führt zu, wer eine andere Person "in das Gewerbe
einführt und zu dessen Ausübung bestimmt" (Botschaft, BBl 1985 II
1083). Wie sich aus dem dargelegten Begriff der Prostitution ergibt,
genügt es bereits, wenn der Täter die Person im Hinblick auf eine bloss
gelegentliche Ausübung der Prostitution in diese Tätigkeit einführt. Nicht
erforderlich ist die Absicht, die Person bleibend in das "Gewerbe"
einzuführen und sie zur Prostitution im Sinne einer Lebensform zu
bestimmen. Das ergibt sich auch aus der französischen und italienischen
Gesetzesfassung ("poussé autrui à se prostituer" bzw. "sospinge altri
alla prostituzione"). Der Täter muss aber mit "einer gewissen Intensität"
auf sein Opfer einwirken, wobei bereits ein Drängen oder Insistieren
genügen soll (Botschaft, S. 1083; REHBERG, aaO, S. 26; TRECHSEL, aaO, Art.
195 StGB N. 4). Bei unmündigen Opfern nach Art. 195 Abs. 1 StGB genügt
in der Regel ein geringerer Druck als gegenüber Erwachsenen (vgl. etwa
STRATENWERTH, aaO, N. 8 mit Beispielen). Ein "Zuführen" kann - nicht
nur bei Erwachsenen - darin bestehen, dass der Täter Räume organisiert
oder Kunden vermittelt (REHBERG/SCHMID, aaO, S. 410 f.; vgl. auch BGE
121 IV 86 E. 2b, wo das Merkmal "Zuführen" jedoch nicht angefochten war
und damit vom Bundesgericht nicht überprüft wurde). Weil die gezielte
Einwirkung des Täters auf das Opfer dessen Willens- und Handlungsfreiheit
nennenswert beeinträchtigen muss, ist ein "Zuführen" zu verneinen, wenn
der Täter dem Opfer bloss die Gelegenheit eröffnet oder Möglichkeiten
aufzeigt, sich auf die Prostitution einzulassen, es also lediglich zur
Tätigkeit verleitet (Botschaft, S. 1083; vgl. ferner STRATENWERTH, aaO, §
9 N. 7 f.). Wer sich bereits prostituiert, kann zwar in bestimmte Bereiche
bzw. Facetten des Gewerbes eingeführt, aber nicht mehr der Prostitution
als solcher zugeführt werden (Botschaft, S. 1083), wohl aber wer mit der
Prostitution bereits abgeschlossen hatte.

    Führt der Täter eine erwachsene Person der Prostitution zu, ist nach
Absatz 2 der Bestimmung zusätzlich erforderlich, dass er eine Abhängigkeit
des Opfers ausnützt oder "eines Vermögensvorteils wegen" handelt.

    Der auch in den Art. 188, 192 und 193 StGB verwendete Begriff
der Abhängigkeit ist bei Art. 195 StGB weit zu verstehen (Botschaft,
BBl 1985 II 1084). Ob eine Abhängigkeit vorliegt, entzieht sich einer
allgemeinen Umschreibung und ist nach den Umständen des jeweiligen
Falles zu ermitteln. In Betracht kommen neben dem in Art. 193
StGB genannten Arbeitsverhältnis jede andere hinreichend schwere
Form von Abhängigkeit. Das kann etwa bei Hörigkeit (Botschaft, S.
1084), Drogensucht, finanziellen Abhängigkeiten usw. anzunehmen sein
(vgl. Botschaft, S. 1084; STRATENWERTH, aaO, § 9 N. 9; TRECHSEL, aaO,
Art. 195 StGB N. 6; JENNY, aaO, Art. 195 StGB N. 8).

    Nach der zweiten Variante muss der Täter das Opfer "eines
Vermögensvorteils wegen" der Prostitution zuführen, d.h. mit Blick auf eine
eigene vermögenswerte Besserstellung handeln. Das Tatbestandsmerkmal
"verschmilzt" mit dem Motiv des Täters (Botschaft, BBl 1985 II
1084). Insoweit klingt die moralische Missbilligung der Zuhälterei des
früheren Rechts an (vgl. Art. 201 aStGB), worin der Gesetzgeber neu keinen
hinreichenden Strafgrund erblickte (Botschaft, S. 1082). Daraus leitet
die herrschende Lehre zutreffend ab, eine erwachsene Person für geldwerte
Vorteile der Prostitution zuzuführen sei nach Art. 195 Abs. 2 StGB nur
strafbar, wenn das Opfer unter Druck gesetzt oder dessen besondere
Unterlegenheit ausgenützt werde, so dass seine Handlungsfreiheit im
Ergebnis ähnlich stark eingeschränkt sei wie bei den anderen Formen des
Delikts. Insofern liegt das Schwergewicht beim Begriff des Zuführens und
nicht beim Merkmal des Handelns um des vermögenswerten Vorteils wegen
(STRATENWERTH, aaO, § 9 N. 10; ebenso TRECHSEL, aaO, Art. 195 StGB N. 7
mit weiteren Hinweisen).

    1.5  Nach Auffassung der Vorinstanz hat der Beschwerdeführer die
Beschwerdegegnerin 1 im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB der Prostitution
zugeführt, um daraus einen (eigenen) Vermögensvorteil zu erzielen.

    Die kantonale Behörde hat ihre Entscheidung so zu begründen, dass
das Bundesgericht die Gesetzesanwendung überprüfen kann (vgl. Art. 277
BStP). Dies setzt voraus, dass im Urteil das Ergebnis der Beweisführung -
soweit es für die Beurteilung der Sache von Bedeutung ist - festgestellt
wird (so für die eidgenössische Berufung in Zivilsachen ausdrücklich
Art. 51 Abs. 1 lit. c Satz 1 OG). Aus dem Ergebnis der Beweisführung muss
in einem Fall wie hier ersichtlich sein, weshalb die Voraussetzungen von
Art. 195 Abs. 2 StGB bejaht wurden (vgl. ERHARD SCHWERI, Eidgenössische
Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen, Bern 1993, N. 600; MARTIN SCHUBARTH,
Nichtigkeitsbeschwerde 2001, Bern 2001, N. 154; vgl. Urteil 6S.476/1992
vom 28. Dezember 1993, E. 3a).

    Das angefochtene Urteil genügt diesen eidgenössischen
Mindestanforderungen für die Begründung kantonaler Urteile nicht. Im
angefochtenen Urteil finden sich relevante Sachverhaltsfeststellungen
verstreut an mehreren Stellen, wobei Überflüssiges gleichgeordnet
mit Wesentlichem referiert wird. Unter diesen Umständen ist es dem
Bundesgericht nicht möglich, die Gesetzesanwendungen nachzuprüfen.

    Abgesehen davon ist das angefochtene Urteil aus folgenden Gründen
gestützt auf Art. 277 BStP aufzuheben. Dem Urteil ist nicht zu entnehmen,
worin das "Drohen, Drängen und Insistieren" des Beschwerdeführers bestanden
haben soll. Soweit die Vorinstanz annimmt, der Beschwerdeführer habe die
Schuldanerkennung der Beschwerdegegnerin 1 dazu benutzt, seine Drohung zu
"untermauern", die Beschwerdegegnerin 1 und ihre Familie "medienmässig
fertigzumachen", und er habe ein Inkassobüro mit der Eintreibung der
Geldforderung beauftragt sowie kurz vor einem wichtigen Auftritt der
Beschwerdegegnerin 1 Fotos an eine Zeitung verkauft, geht nicht genügend
deutlich hervor, inwiefern dieses Verhalten mit den entgeltlichen
Dienstleistungen der Beschwerdegegnerin 1 im Y-Club und den gemeinsamen
Besuchen von verschiedenen "Etablissements" im Zusammenhang gestanden
haben soll und die Handlungsfreiheit der Beschwerdegegnerin 1 dadurch
deutlich beschränkt gewesen sei. Nur wenn dies festgestellt wäre, liesse
sich beurteilen, ob darin ein Druck im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB
zu erblicken ist.

    Sodann erachtet die Vorinstanz Art. 195 Abs. 2 StGB als vollendet,
soweit die Beschwerdegegnerin 1 im Y-Club "gegen Entgelt Kunden bediente
und es dort mit einer Person zum Beischlaf gekommen" sei. Zwar geht
daraus entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers hervor, dass die
Vorinstanz wie zuvor schon das Kreisgericht von mehreren bedienten
Kunden ausgeht. Um beurteilen zu können, ob die sexuellen Dienste ein
"Zuführen" in die Prostitution begründen, müsste jedoch feststehen, ob
es sich um mehr als eine bzw. um wie viele Gegebenheiten es sich dabei
handelte. Entsprechendes gilt für die nicht näher umschriebenen Vorfälle,
die von der Vorinstanz als versuchte Tatbegehung beurteilt wurden. Dem
Urteil der Vorinstanz sind keine Ausführungen darüber zu entnehmen,
inwiefern bei den "übrigen Vorfällen" eine versuchte Förderung der
Prostitution stattgefunden haben soll. Die Tatumstände bleiben im Dunkeln.

    Schliesslich steht im angefochtenen Urteil nichts zur Frage
der Abhängigkeit der Beschwerdegegnerin 1. In Bezug auf das von der
Vorinstanz bejahte alternative Erfordernis des Handelns im Hinblick auf
einen Vermögensvorteil ist dem angefochtenen Urteil nur zu entnehmen,
dass dem Beschwerdeführer "schlussendlich kein Vermögensvorteil erwachsen
ist". Zur entscheidenden Frage, ob und inwieweit die Beschwerdegegnerin
1 die von ihren Kunden erhaltenen Gelder oder einen Teil davon dem
Beschwerdeführer hätte abgeben sollen bzw. ob der Beschwerdeführer konkret
erwartete bzw. erwarten konnte, von der Tätigkeit der Beschwerdegegnerin
1 finanziell unmittelbar zu profitieren, schweigt sich die Vorinstanz aus.

    1.6  Bei der Neubeurteilung wird sich die Vorinstanz zu den genannten
Punkten aussprechen. Ausgehend davon wird sie die Genugtuungsforderung
der Beschwerdegegnerin 1 neu beurteilen, weshalb die Beschwerde insoweit
ebenfalls nach Art. 277 BStP gutzuheissen ist.

Erwägung 2

    2.  Der Beschwerdeführer wendet sich gegen seine Verurteilung wegen
vollendeter Förderung der Prostitution zum Nachteil der Beschwerdegegnerin
2.

    2.1  Nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz hat der Beschwerdeführer zwischen März und Ende Juni 1997
bzw. "im Frühling" 1997 zwei Männer der Beschwerdegegnerin 2 zwecks
entgeltlicher oraler Befriedigung zugeführt. Er habe die beiden Männer
kontaktiert und ihnen "den Körper" der Beschwerdegegnerin 2 "angeboten".
Die Beschwerdegegnerin 2 (geb. 24. Juni 1979) traf die beiden Freier
getrennt voneinander je einmal im Atelier des Beschwerdeführers und
verkehrte mit ihnen oral gegen Geld; der Beschwerdeführer war dabei
anwesend.

    2.2  Auch wenn das angefochtene Urteil die beiden Vorfälle an
einer Stelle zeitlich im Frühling 1997 und an anderer Stelle zwischen
März und Ende Juni 1997 ansiedelt, zeigt der Gesamtzusammenhang, dass
die Vorinstanz annimmt, die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Taten
seien vor Eintritt der Mündigkeit der Beschwerdegegnerin 2 begangen
worden. Die Beschwerdegegnerin 2 war damals noch nicht mündig, da sie
ihren 18. Geburtstag erst nach Sommerbeginn hatte.

    2.3  Der Beschwerdeführer hat die damals unmündige Beschwerdegegnerin
der Prostitution zugeführt im Sinne des Art. 195 Abs. 1 StGB. Wie
bereits dargelegt wurde, genügt für die Prostitution das gelegentliche
Anbieten und Preisgeben des eigenen Körpers an beliebige Personen zu
deren sexueller Befriedigung gegen Entlöhnung in Geld oder anderen
materiellen Werten. Entscheidend ist nicht die quantitative und genaue
qualitative Bewertung der Tätigkeit, sondern die vollzogene Initiation in
die Prostitution als solche, wobei das Wort "gelegentlich" mehr als einen
Vorfall impliziert. Ein Zuführen ist jedenfalls bei unmündigen Opfern
bereits ab zwei sexuellen Akten gegen Geld zu bejahen. Bei Unmündigen
bedeutet "Zuführen", sie zu veranlassen, sich gegen Geld anderen
Personen sexuell hinzugeben. Unmündige pflegen in ihrer Fähigkeit zur
Selbstbestimmung noch nicht voll entwickelt zu sein (Botschaft, BBl 1985
II 1083), weshalb der Gesetzgeber sie vor ihrem eigenen Unverstand schützen
wollte. Daraus folgt, dass es für die Tathandlung des Art. 195 Abs. 1 StGB
im Unterschied zum Absatz 2 der Norm genügt, wenn wie hier ein älterer
oder sonst überlegener Täter die Jugendlichkeit des Opfers ausnützt. Ein
"Zuführen" ist bei Unmündigen deshalb bereits bei einem blossen Überreden
zu bejahen (vgl. nur STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer
Teil 1, 5. Aufl., Bern 1995, § 9 N. 8). Ob das Opfer zusätzlich vom Täter
abhängig war oder ob dieser "eines Vermögensvorteils wegen" handelte,
ist hier im Unterschied zu Art. 195 Abs. 2 StGB nicht Tatbestandsmerkmal,
weshalb dies nicht weiter geprüft werden muss.

    Aus diesen Gründen ist der angefochtene Entscheid in diesem Punkt
bundesrechtlich nicht zu beanstanden.

    2.4  Zur Begründung der Beschwerde im Zivilpunkt gehört grundsätzlich,
dass gesagt wird, welche zivilrechtlichen Bestimmungen und inwiefern sie
durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind. Unterlässt der
Beschwerdeführer eine solche Begründung und verweist er statt dessen nur
auf seine Ausführungen zum Strafpunkt, dann betrachtet er seinen Antrag
zum Zivilpunkt nur als Folge seines Antrags im Strafpunkt. Wird seine
Beschwerde im Strafpunkt abgewiesen, ist deshalb auf die Beschwerde
im Zivilpunkt nicht einzutreten (BGE 76 IV 102 E. 4; MARTIN SCHUBARTH,
Nichtigkeitsbeschwerde 2001, Bern 2001, N. 276).